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Notizen zur Fotografie

Gedanken zum Markt für Schwarzweißfilm

Fujifilm wird Fujipharma

Fujifilm ist dem Namen nach und speziell in unserer Branche ein Begriff für photo­graphische Aufnahmefilme. Und in der Tat stellt die Firma diese auch her. Das Film-Geschäft trägt jedoch nur noch unbedeutend zum Ertrag der Fujifilm-Holding bei.(1)

Fujifilm-Chef Shigetaka Komori sieht die Zukunft des Unternehmens im Pharma-Bereich und kauft entsprechende Firmen im großen Stil auf: »We aim to become a comprehensive health-care company«. Offenbar lässt sich das Know-how, das sich bei Fujifilm zur Filmherstellung angesammelt hat, gut für die Herstellung von Medi­kamenten nutzen.

© Martin Frech: Probleme mit der Qualitätskontrolle? Fujifilm Neopan-400-KB-Container mit falscher Kennzeichnung

© Martin Frech: Probleme mit der Qualitätskontrolle? Fujifilm Neopan-400-KB-Container mit falscher Kennzeichnung

Wichtige Geschäftsfelder von Fujifilm sind heute Flachbildschirme und Büro­kopierer, zunehmend auch Medizintechnik (Gen-Analyse, Ultraschall- und Röntgen­bild). Filmfabriken wurden schon geschlossen, die Kameraproduktion von Japan nach China verlagert. Es könnte also sein, dass Fujifilm sein Filmgeschäft bald aufgeben wird.

Bei Kodak sieht es ähnlich aus, Agfa und Polaroid sind Geschichte

Somit gibt es mit Ilford nur noch eine Firma, deren Kerngeschäft die komplette Palette an Schwarzweiss-Materialien ist und die diese mit hohem Qualitätsanspruch selbst produziert.

Es gibt kleine Anbieter, die sich in diese vermeintliche Lücke drängen und den sehr kleinen Markt fragmentieren. Dieser Markt lebt wesentlich von der Nachfrage der Liebhaber und der Künstler. Diese kleinen Anbieter, die entweder Material von den Großen/Verblichenen umetikettieren und/oder manufakturähnlich selbst herstellen (wollen), verstehen es teilweise sehr geschickt, das Internet als Marketingplattform zu nutzen. Sie versuchen, den Eindruck zu erwecken, sie seien die wahren Sach­verwalter der silbernen Kunst.

Ich sehe das anders und kaufe bei Ilford. Dort glaube ich meinen Materialbedarf zukünftig am ehesten gesichert, und das in zuverlässiger Qualität und einer gewissen Bandbreite. Bei den »neuen kleinen« weiß ich zur Zeit nicht zuverlässig, welche Emulsionen sich unter den Etiketten verbergen und ob sich dies bei der nächsten Lieferung wieder geändert haben wird. Auch erwarte ich von dort kein modernes Material – diese Anbieter beschäftigen man sich m. W. nur mit klassischen Emulsionen und haben (außer mit Efkes 127er-Rollfilm) nichts zu bieten, das ich nicht auch bei Ilford bekäme. Und jeder Kauf bei denen schmälert Ilfords wacklige Zukunftschancen.

Literatur:

(1) Hall, Kenji: Fujifilm Focuses on Pharma. In: businessweek.com. Online verfügbar: ↬ http://www.businessweek.com/globalbiz/content/mar2008/gb20080312_471823.htm [2008-03-23]

Nachtrag (Okt. 2008):
Diesen Beitrag habe ich vor über einem halben Jahr geschrieben. Die Einschätzung bezüglich der Umetikettierer hat sich m. E. bestätigt, als Maco den Vertrieb des Rollei R3 in Planfilmformaten aufgegeben hat (man lese nochmal die großspurigen Ankündigungen mit den langfristigen Lieferversprechen in einer beeindruckenden Formatvielfalt).
Vielleicht war jedoch die Einschätzung bezüglich Ilford zu optimistisch. Die Firma war nicht mit einem Stand auf der Photokina 2008 vertreten (ist das ein Zeichen?), andererseits konnte Kodak mit dem neuen T-Max 400 (TMY-2) punkten. Letzteren gibt es auch in Planfilmformaten, während Ilford den Delta 400 weiterhin nur gerollt anbietet.


Zitierempfehlung:
Frech, Martin: Gedanken zum Markt für Schwarzweißfilm. In: Notizen zur Fotografie, 2008-03-23. Online: http://www.medienfrech.de/foto/NzF/NzF/2008-03-23_Gedanken-zum-Markt-fuer-Schwarzweissfilm/2008-03-23_Gedanken-zum-Markt-fuer-Schwarzweissfilm.html [Abrufdatum]