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Bilderschachtel

Installation in einem geräumten Zimmer:
Tisch, Stuhl, Bild, Schuhschachtel mit Fotos (2014)

Ein leergeräumtes Haus bietet Möglichkeitsräume. Einerseits.

Es sind aber auch Spuren des vergangenen Gebrauchs sichtbar: Bilderrahmen haben sich auf die Tapete abgebildet, der Fußboden ist beschädigt usw.
Eigene Erfahrungen lassen erahnen, wie die Spuren zustande kamen.

Mit Fotografien verhält es sich ähnlich, auch diese sind schwach kodiert. Manchmal sieht der Betrachter, was der Fotograf sah -- doch üblicherweise wird viel in Fotos hineinprojiziert.

Mit der Installation »Bilderschachtel« präsentiere ich einen Ausschnitt meiner Fotoarbeit → »Jedes Foto ist historisch« (2007/2014); historisch nutze ich hier im Sinne von Jedes Foto zeigt vergangenes.

Der Aufbau besteht aus einem Tisch, einem Stuhl und einer Schuhschachtel, die auf dem Tisch plaziert ist. An der Wand hängt meine Arbeit → »Das hat Kopernikus nur gewusst.« (2013). In der Schuhschachtel befinden sich Fotos (Schachtel 1: Januar 2007).

Die Besucher sind eingeladen, sich aktiv mit den Bildern zu beschäftigen; Anfassen erwünscht.

Die Form der Präsentation thematisiert zwei aussterbende Gebrauchsweisen von Fotografie: das Anfertigen und Sammeln von Fotoabzügen sowie das ungeordnete Aufbewahren dieser Erinnerungsbilder in Schachteln.

Solche Schachteln (seltener: Alben) bleiben häufig lange Zeit unbeachtet. Spätestens bei der Wohnungsräumung werden sie wiederentdeckt. Betrachtet man die Bilder als unbeteiligter Dritter, ähnelt das dem Lesen der Spuren im Haus: Man kann Schlüsse ziehen – ohne zusätzliche Informationen bleibt der Erkenntnisgewinn jedoch wage.

Meine Arbeit »Bilderschachtel« ist ein Versuch über die Bedingungen, unter denen Fotografie entsteht, rezipiert und genutzt wird.

Begriffspaare, über die ich beim Ausarbeiten des Projekts nachgedacht habe sind: »vergangen/gegenwärtig«, »anschauen/zeigen«, »beobachten/mitwirken«, »erinnern/vergessen«, »privat/öffentlich«, »analog/digital«, »authentisch/zweifelhaft«, »subjektiv/objektiv«, »anonym/zugeschrieben«.

Erste öffentliche Präsentation beim Kunstaktionstag in Tübingen am 10. Mai 2014.

Martin Frech: Bilderschachtel | Installationsansicht (Kunstaktionstag Tübingen 2014)
Installationsansicht (Kunstaktionstag Tübingen 2014)
Martin Frech: Bilderschachtel | Installationsansicht mit Besucherin (Kunstaktionstag Tübingen 2014)
Installationsansicht mit Besucherin (Kunstaktionstag Tübingen 2014)